Route
A: Habergschwänd
– Murgseehütte (Wanderzeit ca. 4¼
Std.)
Im Habergschwänd
angekommen, empfiehlt es sich die umliegenden Gebirgszüge aus
geologischer Sicht kurz zu betrachten. Blick Richtung Westen. Normalerweise liegen jüngere
Gesteine auf älteren Gesteinsschichten. Die Kuppe mit der Nüenalp
wird jedoch durch Gesteinsschichten aus der frühen Kreidezeit (Alter:
125-135 Millionen Jahre) aufgebaut, die darunter liegende Fläche zwischen
dem Nüenkamm und Habergschwänd besteht aus Gesteinseinheiten der späten
Kreidezeit und der frühen Tertiärzeit (Alter: 50-95 Millionen Jahre).
Dies bedeutet, dass die Gesteinsschichten am Fuss der Kuppe mehr als 80
Millionen Jahre älter sind als die darunter liegenden. Das Gesteinspaket,
welches die Kuppe mit der Alp Nüen aufbaut, muss somit entlang der
sogenannten Säntis-Überschiebung mehrere Kilometer nach Norden
auf die Ebene vom Habergschwänd geschoben worden sein. Im Osten sind vom
Habergschwänd aus die stolz über dem Walensee thronenden Churfirsten
zu sehen. Diese sind ein Naturdenkmal von nationaler Bedeutung und bilden
nicht nur einen einmaligen Blickfang, sondern haben auch einen
interessanten Aufbau: Die Gipfelpartien gehören zur Säntis-Decke
(wie die Kuppe westlich Habergschwänd) und wurden entlang der Säntis-Überschiebung
(Ebene Nüenkamm-Habergschwänd, Terrasse von
Betlis-Serenwald-Laubegg-Schwaldis) auf die Mürtschen-Decke
(Gesteinsschichten am Walenseesüdufer östlich Betlis oder zwischen
Talsee und Habergschwänd) geschoben. An der auffälligen Falte am
Sichelkamm kann der unterschiedliche Baustil der beiden Decken gut
verfolgt werden. An der Bergstation Habergschwänd finden
aufmerksame Gäste im dunkelgrün-schwarzen Assilinengrünsand
linsenförmige helle Fossilien. Diese sogenannten Assilinen stammen aus
der Tertiärzeit und sind rund 50 Millionen Jahren alt. Auf dem Weg vom Habergschwänd zum Talsee werden
ständig ältere Gesteinsschichten durchwandert. Beginnt die Wanderung mit
dem grünen Assilinengrünsand (ca. 50 Millionen Jahre alt), folgen der
dichte, wellig gebankte, beige-graue Seewerkalk, die rostig anwitternden,
oft dunkelgrün-grauen Gesteine der Garschella-Formation und die massigen
Schratten-, Betlis-, Öhrli- und Quintnerkalke (ca. 150 Millionen Jahre
alt). Während der kurzen Wanderung von Habergschwänd zum Talsee werden
somit rund 100 Millionen Jahre Erdgeschichte erwandert! Am Pässchen vor dem Talsee können im
Quintnerkalk Gletscherschrammen entdeckt werden. Diese entstanden während
der letzten Eiszeit am Boden des damaligen Gletschers, als im Eis
eingefrorene Steine unter der Last des mächtigen, darüber liegenden
Gletschereises über die Kalke geschleift wurden. Vom Talsee können die Gesteinsschichten am Ostabhang
des Nüenchamm dank der Abfolge von weicheren, grasbewachsenen
Horizonten und härteren, wandbildenden Bänken sehr gut verfolgt werden:
Es sind die gleichen Gesteinsschichten, welche am Weg von Habergschwänd
zum Talsee anstehen. Etwas mehr als einen Kilometer südlich des Talsees
befindet sich bei Punkt 1179 ein grosser Krater, die Hellochdoline.
Dolinen entstanden durch das Einstürzen von oberflächennahen
unterirdischen Hohlräumen und Höhlen, welche durch die Auswaschung von
Kalk geschaffen wurden (Karst). Südlich des Spanneggsees
befindet sich die Mürtschenfurggel. Durch dieses Furggel verläuft
ein steil stehender Bruch, wo die östliche (Mürtschen-)Seite
gegenüber der westlichen (Schwarzstöckli-)Seite um 800 bis 1000 Meter
nach Norden geschoben wurde. Damit die beiden Seiten zusammenpassen, müsste
die Bruchverschiebung rückgängig gemacht werden. Die südliche
Fortsetzung der Störung ist im Murgseefurggel und im
Widersteinerfurggel erkennbar. Im Felsriegel nördlich des
Spanneggsees fehlen jedoch Hinweise auf den markanten Bruch. Daher
muss der steile Bruch im Bereich des Spanneggsees nach Westen in die flach
liegende Mürtschen-Überschiebung umbiegen. Am Mürtschenmassiv sind die
Schichtabfolgen aus der Trias- und Jurazeit der Mürtschen-Decke gut
aufgeschlossenen. Somit kann dort die Erdgeschichte im Zeitabschnitt vor
ca. 250 Millionen bis vor 130 Millionen Jahren verfolgt werden. Vor allem in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts wurden zwischen der Kette Hochmättli-Silberspitz und
der Mürtschenalp Kupfer- und Silbererze abgebaut. Am Hochmättli können
noch heute Silber-, Blei- und Kupfervererzungen entdeckt werden. Die Erze
wurden zur Mürtschenalp (ca. eine halbe Stunde von Ober Mürtschen
Richtung Murgtal) transportiert, wo sie aufbereitet wurden. Den Betreibern
der Gruben und der Aufbereitung war jedoch höchstens ein bescheidener
Erfolg beschieden. Zwischen 1855 und 1861 wurden rund 900 Tonnen Roherze
gewonnen, geschieden und gepocht. Rund 50 Tonnen aufbereitete Schmelzerze
(15 % Cu, 0.07 % Ag) wurden nach Brixlegg (Tirol) zur Verhüttung gesandt,
woraus rund 4 Tonnen Reinkupfer und 8.5 kg Reinsilber geschmolzen wurden.
Auf der Mürtschenalp befinden sich noch Überreste des
Knappenhauses, des Torfschuppens und des Pochwerks, sowie Schlackenhaufen. Das Gebiet der Murgseen ist eine stark durch die Gletscher
geprägte Kartreppenlandschaft von nationaler Bedeutung. Kare sind
Hochgebirgsmulden wie jene, in denen sich der obere und der untere Murgsee
befinden. In der Murgseelandschaft entstanden viele Moore, in
welchen sich eine einzigartige Vegetation entwickelte. Auf den Gletscherschliffflächen
der rotvioletten Verrucano-Rundhöcker können die Zusammensetzung der
Gesteinskörner der Verrucanosernifite bestimmt und deren
Ablagerungsbedingungen rekonstruiert werden. Diese Route A kann in verschiedenen Varianten angegangen werden. Auf oder von der Glarnerseite her sind Mullern (Mollis) oder Äugsten (Ennenda / Glarus) lohnende Ausgangspunkte, resp. Ziele. Von der Murgseehütte kann man nach Murg gelangen, indem man dem Murgbach bis Merlen folgt. In der Murgseehütte kann ein Bus Merlen-Murg angefordert werden. |