Route A: Habergschwänd – Murgseehütte (Wanderzeit ca. Std.)

Ort

Zeit-bedarf

Attraktion / Ziel

Varianten

(Zu- oder Weggang zur Hauptroute)

Bemerkungen

Bhf Ziegelbrücke

 

Filzbach å ä  H  (1)

 

Bus / Auto

Filzbach

 

Habergschwänd å ä H (2)

  - Churfirstenblick

  - Säntis-Überschiebung

 

Bergbahn

Habergschwänd

20 Min.

Talsee å ä  (3)

  - Aufbau Nüenkamm

  - Gletscherschliffe

Filzbach å ä H (1)

Mulleren å ä H (3a)(3b)(3c) – Mollis å ä H

 

Talsee

40 Min.

Helloch-Doline

  - Doline

  - Spannegg-Riegel

 

 

Helloch-Doline

1 Std.

Spanneggsee

  - Bruch Mürtschenfurggel

  - Aufbau Mürtschenstock

 

 

Spanneggsee

1 Std.

Mürtschenfurggel

  - Bruch Murgseefurggel

  - Verhüttung Mürtschen

  - Bergbau Mürtschen

Mürtschenalp – Merlen  – Murg å ä H  

 

Mulleren å ä H – Mollis å ä H

Bergwerk Mürtschenalp (nicht frei zugänglich), Linth-Escher-Auditorium Mollis

Mürtschenfurggel

1 Std.

Murgseefurggel

  - Bruch Widersteinerfurggel

  - Glaziallandschaft Murgsee

Äugsten å ä  – Ennenda / Glarus å ä H 

 

Murgseefurggel

15 Min.

Murgseehütte å ä H (4)

Merlen  – Murg å ä H  

 

 

Im Habergschwänd angekommen, empfiehlt es sich die umliegenden Gebirgszüge aus geologischer Sicht kurz zu betrachten.

Blick Richtung Westen. Normalerweise liegen jüngere Gesteine auf älteren Gesteinsschichten. Die Kuppe mit der Nüenalp wird jedoch durch Gesteinsschichten aus der frühen Kreidezeit (Alter: 125-135 Millionen Jahre) aufgebaut, die darunter liegende Fläche zwischen dem Nüenkamm und Habergschwänd besteht aus Gesteinseinheiten der späten Kreidezeit und der frühen Tertiärzeit (Alter: 50-95 Millionen Jahre). Dies bedeutet, dass die Gesteinsschichten am Fuss der Kuppe mehr als 80 Millionen Jahre älter sind als die darunter liegenden. Das Gesteinspaket, welches die Kuppe mit der Alp Nüen aufbaut, muss somit entlang der sogenannten Säntis-Überschiebung mehrere Kilometer nach Norden auf die Ebene vom Habergschwänd geschoben worden sein.

Im Osten sind vom Habergschwänd aus die stolz über dem Walensee thronenden Churfirsten zu sehen. Diese sind ein Naturdenkmal von nationaler Bedeutung und bilden nicht nur einen einmaligen Blickfang, sondern haben auch einen interessanten Aufbau: Die Gipfelpartien gehören zur Säntis-Decke (wie die Kuppe westlich Habergschwänd) und wurden entlang der Säntis-Überschiebung (Ebene Nüenkamm-Habergschwänd, Terrasse von Betlis-Serenwald-Laubegg-Schwaldis) auf die Mürtschen-Decke (Gesteinsschichten am Walenseesüdufer östlich Betlis oder zwischen Talsee und Habergschwänd) geschoben. An der auffälligen Falte am Sichelkamm kann der unterschiedliche Baustil der beiden Decken gut verfolgt werden.

An der Bergstation Habergschwänd finden aufmerksame Gäste im dunkelgrün-schwarzen Assilinengrünsand linsenförmige helle Fossilien. Diese sogenannten Assilinen stammen aus der Tertiärzeit und sind rund 50 Millionen Jahren alt.

Auf dem Weg vom Habergschwänd zum Talsee werden ständig ältere Gesteinsschichten durchwandert. Beginnt die Wanderung mit dem grünen Assilinengrünsand (ca. 50 Millionen Jahre alt), folgen der dichte, wellig gebankte, beige-graue Seewerkalk, die rostig anwitternden, oft dunkelgrün-grauen Gesteine der Garschella-Formation und die massigen Schratten-, Betlis-, Öhrli- und Quintnerkalke (ca. 150 Millionen Jahre alt). Während der kurzen Wanderung von Habergschwänd zum Talsee werden somit rund 100 Millionen Jahre Erdgeschichte erwandert!

Am Pässchen vor dem Talsee können im Quintnerkalk Gletscherschrammen entdeckt werden. Diese entstanden während der letzten Eiszeit am Boden des damaligen Gletschers, als im Eis eingefrorene Steine unter der Last des mächtigen, darüber liegenden Gletschereises über die Kalke geschleift wurden.

Vom Talsee können die Gesteinsschichten am Ostabhang des Nüenchamm dank der Abfolge von weicheren, grasbewachsenen Horizonten und härteren, wandbildenden Bänken sehr gut verfolgt werden: Es sind die gleichen Gesteinsschichten, welche am Weg von Habergschwänd zum Talsee anstehen.

Etwas mehr als einen Kilometer südlich des Talsees befindet sich bei Punkt 1179 ein grosser Krater, die Hellochdoline. Dolinen entstanden durch das Einstürzen von oberflächennahen unterirdischen Hohlräumen und Höhlen, welche durch die Auswaschung von Kalk geschaffen wurden (Karst).

Südlich des Spanneggsees befindet sich die Mürtschenfurggel. Durch dieses Furggel verläuft ein steil stehender Bruch, wo die östliche (Mürtschen-)Seite gegenüber der westlichen (Schwarzstöckli-)Seite um 800 bis 1000 Meter nach Norden geschoben wurde. Damit die beiden Seiten zusammenpassen, müsste die Bruchverschiebung rückgängig gemacht werden. Die südliche Fortsetzung der Störung ist im Murgseefurggel und im Widersteinerfurggel erkennbar. Im Felsriegel nördlich des Spanneggsees fehlen jedoch Hinweise auf den markanten Bruch. Daher muss der steile Bruch im Bereich des Spanneggsees nach Westen in die flach liegende Mürtschen-Überschiebung umbiegen.

Am Mürtschenmassiv sind die Schichtabfolgen aus der Trias- und Jurazeit der Mürtschen-Decke gut aufgeschlossenen. Somit kann dort die Erdgeschichte im Zeitabschnitt vor ca. 250 Millionen bis vor 130 Millionen Jahren verfolgt werden.

Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zwischen der Kette Hochmättli-Silberspitz und der Mürtschenalp Kupfer- und Silbererze abgebaut. Am Hochmättli können noch heute Silber-, Blei- und Kupfervererzungen entdeckt werden. Die Erze wurden zur Mürtschenalp (ca. eine halbe Stunde von Ober Mürtschen Richtung Murgtal) transportiert, wo sie aufbereitet wurden. Den Betreibern der Gruben und der Aufbereitung war jedoch höchstens ein bescheidener Erfolg beschieden. Zwischen 1855 und 1861 wurden rund 900 Tonnen Roherze gewonnen, geschieden und gepocht. Rund 50 Tonnen aufbereitete Schmelzerze (15 % Cu, 0.07 % Ag) wurden nach Brixlegg (Tirol) zur Verhüttung gesandt, woraus rund 4 Tonnen Reinkupfer und 8.5 kg Reinsilber geschmolzen wurden. Auf der Mürtschenalp befinden sich noch Überreste des Knappenhauses, des Torfschuppens und des Pochwerks, sowie Schlackenhaufen.

Das Gebiet der Murgseen ist eine stark durch die Gletscher geprägte Kartreppenlandschaft von nationaler Bedeutung. Kare sind Hochgebirgsmulden wie jene, in denen sich der obere und der untere Murgsee befinden. In der Murgseelandschaft entstanden viele Moore, in welchen sich eine einzigartige Vegetation entwickelte. Auf den Gletscherschliffflächen der rotvioletten Verrucano-Rundhöcker können die Zusammensetzung der Gesteinskörner der Verrucanosernifite bestimmt und deren Ablagerungsbedingungen rekonstruiert werden.

Diese Route A kann in verschiedenen Varianten angegangen werden. Auf oder von der Glarnerseite her sind Mullern (Mollis) oder Äugsten (Ennenda / Glarus) lohnende Ausgangspunkte, resp. Ziele. Von der Murgseehütte kann man nach Murg gelangen, indem man dem Murgbach bis Merlen folgt. In der Murgseehütte kann ein Bus Merlen-Murg angefordert werden.