Route
B1: Murgseehütte
– Gamshütte (Wanderzeit ca. 1½
Std.)
Östlich der Linie
Murgseefurggel-Widersteinerfurggel finden wir vorwiegend wein- bis violettrote grobkörnige Verrucanogesteine.
Diese farbenfrohen Gesteine enthalten bis mehrere Zentimeter grosse, zum
Teil vulkanische (!) Komponenten, welche eckig bis angerundet sind. Sie müssen
unter wüstenhaften Bedingungen (fossilarm = lebensfeindlich, rote Farbe =
Eisen im Kontakt mit Luft) auf einem Schuttkegel entstanden sein, wie sie
heute im Tal des Todes herrschen (Death Valley). Die Verrucanogesteine gehören
zu den ältesten Ablagerungsgesteinen der Schweiz und dürften 250 bis 300
Millionen Jahre alt sein. Erstaunlicherweise
entdecken wir östlich dieser Linie am Etscherzapfen und am Hochmättli
wein- bis violettrote grasbewachsene Ton- und Siltschiefer. Besonders in
der Gipfelpartie des Hochmättli ist zu erkennen, dass die unteren
groben Verrucanoserien schräg durch die darüber liegenden schieferigen
Verrucanoserien abgeschnitten werden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass
diese Trennlinie ebenfalls eine Überschiebungsfläche darstellt. Die
unterschiedliche Ausbildung der Gesteine beidseits der Linie
Murgseefurggel-Widersteinerfurggel unterstreicht die Bedeutung dieses
Bruches. Auch bei der Widersteinerfurggel treffen grobkörnige
Verrucanogesteine im Westen (Gufelstock) auf schieferige feinkörnige
Verrucanogesteine im Osten (Bützistock). Normalerweise
folgen über den Verrucanoserien die hellen Gesteine aus der Triaszeit
(vor 250 bis 210 Millionen Jahren), wie sie am Gipsgrat beobachtet
werden können. Am Rottor und am Gulderstock folgen über
dem Verrucano (älter als 250 Millionen Jahre alt) direkt Gesteine aus der
Liaszeit (jünger als 210 Millionen Jahre). Entweder wurden an diesen
Stellen während über 40 Millionen Jahren keine Gesteine abgelagert, oder
die während dieser Zeit abgelagerten Gesteine wurden noch vor der
Ablagerung der Liasgesteine bereits wieder abgetragen. Der
Blick durchs Mühlebachtal Richtung Süden fällt auf das
Kärpfgebiet.
Dort stehen in den talnahen Hängen relativ junge Flyschschichten mit
einem Alter von ca. 50 Millionen Jahren an. Im Landesplattenberg Engi und
beim Schieferbergwerk Elm wurden Flysch-Tonschieferlagen während
Jahrhunderten durch mehrere hundert Arbeiter abgebaut und zu
Schiefertafeln, Schiefertischen oder Dachplatten verarbeitet. Durch den
Schieferabbau wurden auch hunderte von wissenschaftlich interessanten Fossilien
(Fische, Schildkröten) entdeckt. Die stark exportorientierten Tätigkeiten
hinterliessen in Engi bedeutende wirtschaftsgeschichtliche Spuren, welche
im Besucher-Pavillon und im Landesplattenberg Engi - auf
Anmeldung - vorgestellt werden (Besucherführungen). Über
den Flyschgesteinen folgen nicht - wie eigentlich erwartet - noch jüngere
Gesteine, sondern die rund 200 Millionen Jahre älteren Verrucanogesteine.
Letztere wurden während der Alpenfaltung aus dem Bündner Rheintal rund
40 Kilometer nach Norden auf die jüngeren Flyschgesteine geschoben. Die
Überschiebungsfläche wird Glarner Hauptüberschiebung genannt.
Die Glarner Hauptüberschiebung taucht zwischen dem Kärpfgebiet und dem Mühlebachtal
nach Norden ein: liegt sie im nördlichen Kärpfgebiet noch auf 1200 m ü.
M., liegt sie unter der Gamshütte noch auf 800 m ü. M. Dies
bedeutet, dass der Verrucano hier eine Mächtigkeit von über 1000 Metern
hat. Von
der Widersteinerfurggel oder von der Gamshütte aus kann das Dorf Engi
erreicht werden, indem man den Wanderwegen talauswärts folgt. Route
B2: Gamshütte –
Spitzmeilenhütte SAC (Wanderzeit ca. 4½
Std.)
Die Wanderung führt über Mühlebach-Oberstafel auf
den Gipfel des Wissmilen. Vom Wissmilen aus kann der Blick bei
guten Sichtverhältnissen bis ins Berner Oberland schweifen, wo
weitgereiste Bergkenner Eiger und Mönch identifizieren können.
Für das Studium des Übergangs von den Verrucanoeinheiten zu den
Triasgesteinen lohnt es sich zum Punkt 2337 (ca. 400 m südlich des
Wissmilen) abzusteigen. Die östlich des Punkt 2337 steil abfallende
Felsrippe besteht aus Melsersandstein, der ältesten Triaseinheit.
Dieser liegt hier aber nicht flach, sondern wurde bei der Alpenfaltung
fast senkrecht aufgestellt. Weiter im Osten folgen die ebenfalls
aufgestellten jüngsten Verrucanogesteine, welche mit zunehmender Distanz
nach Osten älter werden. Wie an vielen anderen Orten besteht der
Verrucano hier im oberen Teil nicht aus grobkörnigen Sernifiten, sondern
aus feinen violettroten bis blutroten Ton- und Siltschiefern. Die Schieferung entstand durch die
Druckeinwirkung auf die Gesteinsschichten während deren Verfaltung – ähnlich
entstehen Zerrisse in einem Stück Plastilin, wenn wir es zu stark biegen.
Im Faltenscharnier steht die Schieferung fast senkrecht zur Schichtung, im
entfernteren Faltenschenkel ist sie fast parallel zur Schichtung. Die
Schieferung gibt uns folglich Hinweise über den Faltenbau, jedoch keine
über die Schichtung. Da im Dach des Verrucano mehrere hundert Meter mächtige
Schieferlagen vorkommen, fehlen dort wichtige Hinweise zur Lagerung der
Gesteinsschichten. Eine wichtige Rolle zur Erkennung der Schichtung
spielen in den obersten Verrucanoschiefern die sogenannten Schönbühlquarzite,
welche zwischen dem Murgtal und dem Weisstannental auf einer Fläche von
über 150 Quadratkilometern aufgeschlossen sind. Am schönsten und am mächtigsten
ausgeprägt sind die Schönbühlquarzite östlich des Punkt 2337, wo sie
ebenfalls steil gestellt sind und ähnliche Rippen wie der Melsersandstein
bilden. Die grosse Ausdehnung überrascht vor allem, weil die 2-3 harten
Quarzitbänder (Sandsteine, stellenweise auch vulkanische Tuffe und
Tuffite) selten eine Mächtigkeit von mehr als einem Meter haben. Folglich
muss das Relief zur Zeit der Ablagerung vor rund 250 Millionen Jahren sehr
flach gewesen sein. Der Melsersandstein beginnt beim Punkt 2337 an
der Basis (am östlichen Rand) nicht als Sandstein, sondern mit einem
Konglomerat. Als Entstehungsraum dieses Konglomerates, welches aus über
zehn Zentimeter grossen, harten, kantengerundeten und stellenweise
angewitterten Komponenten besteht, kommt weniger ein Fluss wie der Rhein,
sondern eher eine Meeresküste mit Brandung in Frage. Grösstenteils
besteht der Melsersandstein jedoch aus einem 10 bis 20 Meter mächtigen,
grünlich-weissen Sandstein mit 1 bis 2 Millimeter grossen Quarz- und
Feldspatkörnern. Über dem Melsersandstein folgt im Westen gegen den
Wissmilen der Rötidolomit, ein beige-ocker anwitterndes,
bergfrisch angeschlagen hellgraues, gut gebanktes massiges Gestein. Auffälliger
sind die ebenfalls gelblich anwitternden, löcherigen Rauhwacken.
Meist sind die schnell verwitternden Rauhwacken grasbewachsen. Wo dies
nicht der Fall ist, wie beispielsweise am Westabhang des Gipsgrates können
knorrige Formen beobachtet werden. Ausgerechnet am Gipsgrat ist kaum Gips
aufgeschlossen. Schneeweisser Gips steht jedoch auf der Flumser Seite des
Wissmilen und am Weglein vom Wissmilengipfel zum Furggel, wo der Wanderweg
Richtung Spitzmeilenhütte abzweigt, an. Gips ist ein Verdunstungsgestein,
welches bei der Verdunstung riesiger Wassermengen entsteht. Ungefähr zur
gleichen Zeit wie die Gipsvorkommen am Wissmilen entstanden vor über 200
Millionen Jahren die wichtigsten Salz- und Gipslagerstätten Mitteleuropas
(wie Schweizerhalle bei Basel). Gips ist ein sehr weiches, mit dem
Fingernagel ritzbares Gestein, welches relativ schnell durch Wasser aufgelöst
und ausgewaschen wird. Dadurch entstehen Hohlräume, welche einstürzen können,
sogenannte Dolinen. Kurz vor dem Sattel können die obersten (jüngsten)
Gesteine der Trias beobachtet werden, die Quartenschiefer (ähnlich
wie die blutroten Verrucanoschiefer) und die Quartenquarzite
(mehrere, meist weniger als 1 Meter mächtige Melsersandstein-ähnlich Bänke).
Hier ist die Quarten-Serie jedoch stark ausgequetscht. Über der
Quarten-Serie folgen die mächtigen bräunlichgrauen Gesteine aus der
Liaszeit, welche auch den Magerrain aufbauen. Von der Furggel aus hat man auch einen schönen Überblick
über die von den Gletschern geprägte Ebene Fursch. Am Westrand
der Ebene kann ein grösserer Moränenwall beobachtet werden, während
die zerfurchte zentrale Fläche aus sogenannten Sanderablagerungen
besteht. Sander sind Kies- und Schotterfluren im Vorfeld des
Gletschers. Die Furchen stellen alte Bachläufe des Gletscherbaches dar. Beim Abstieg von der Furggel Richtung
Spitzmeilenhütte können am Nordabhang des Wissmilen einige Dolinen
entdeckt werden. Die roten Schiefer boten dem Eis, welches vom Wissmilen
und Spitzmeilen Richtung Spitzmeilenhütte floss, keinen grossen
Widerstand, so dass die abgerundeten Landschaftsformen entstanden. Von
der Spitzmeilenhütte kann Flums über die Alp Fursch, die
Maschgenkamm- oder die Prodkammbahnen und Flumserberg erreicht werden. Als
Alternative bietet sich ein mehrstündiger Marsch durch das Schilstal nach
Flums an. Zwischen Flums und Sargans befindet sich der international anerkannte Versuchsstollen Hagerbach. Auf dem Walensee bietet das GeoSchiff für Gruppen und an festgelegten Tagen auch für Einzelpersonen einen attraktiven und informativen Einblick in die Erdkunde. |