Route B1: Murgseehütte – Gamshütte (Wanderzeit ca. Std.)

Ort

Zeit-bedarf

Attraktion / Ziel

Varianten

(Zu- oder Weggang zur Hauptroute)

Bemerkungen




Murgseehütte (4)

30 Min.

 

Widersteinerfurggel

  - Bruch

  - Überschiebung Hochmättli

 

 

Widersteinerfurggel

15 Min.

Widersteinerhüttli

Engi å ä H 

Landesplattenberg Engi

Widersteinerhüttli

45 Min.

Gams H (5)

Engi å ä H 

Landesplattenberg Engi

Östlich der Linie Murgseefurggel-Widersteinerfurggel finden wir vorwiegend wein- bis violettrote grobkörnige Verrucanogesteine. Diese farbenfrohen Gesteine enthalten bis mehrere Zentimeter grosse, zum Teil vulkanische (!) Komponenten, welche eckig bis angerundet sind. Sie müssen unter wüstenhaften Bedingungen (fossilarm = lebensfeindlich, rote Farbe = Eisen im Kontakt mit Luft) auf einem Schuttkegel entstanden sein, wie sie heute im Tal des Todes herrschen (Death Valley). Die Verrucanogesteine gehören zu den ältesten Ablagerungsgesteinen der Schweiz und dürften 250 bis 300 Millionen Jahre alt sein.

Erstaunlicherweise entdecken wir östlich dieser Linie am Etscherzapfen und am Hochmättli wein- bis violettrote grasbewachsene Ton- und Siltschiefer. Besonders in der Gipfelpartie des Hochmättli ist zu erkennen, dass die unteren groben Verrucanoserien schräg durch die darüber liegenden schieferigen Verrucanoserien abgeschnitten werden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass diese Trennlinie ebenfalls eine Überschiebungsfläche darstellt.

Die unterschiedliche Ausbildung der Gesteine beidseits der Linie Murgseefurggel-Widersteinerfurggel unterstreicht die Bedeutung dieses Bruches. Auch bei der Widersteinerfurggel treffen grobkörnige Verrucanogesteine im Westen (Gufelstock) auf schieferige feinkörnige Verrucanogesteine im Osten (Bützistock).

Normalerweise folgen über den Verrucanoserien die hellen Gesteine aus der Triaszeit (vor 250 bis 210 Millionen Jahren), wie sie am Gipsgrat beobachtet werden können. Am Rottor und am Gulderstock folgen über dem Verrucano (älter als 250 Millionen Jahre alt) direkt Gesteine aus der Liaszeit (jünger als 210 Millionen Jahre). Entweder wurden an diesen Stellen während über 40 Millionen Jahren keine Gesteine abgelagert, oder die während dieser Zeit abgelagerten Gesteine wurden noch vor der Ablagerung der Liasgesteine bereits wieder abgetragen.

Der Blick durchs Mühlebachtal Richtung Süden fällt auf das Kärpfgebiet. Dort stehen in den talnahen Hängen relativ junge Flyschschichten mit einem Alter von ca. 50 Millionen Jahren an. Im Landesplattenberg Engi und beim Schieferbergwerk Elm wurden Flysch-Tonschieferlagen während Jahrhunderten durch mehrere hundert Arbeiter abgebaut und zu Schiefertafeln, Schiefertischen oder Dachplatten verarbeitet. Durch den Schieferabbau wurden auch hunderte von wissenschaftlich interessanten Fossilien (Fische, Schildkröten) entdeckt. Die stark exportorientierten Tätigkeiten hinterliessen in Engi bedeutende wirtschaftsgeschichtliche Spuren, welche im Besucher-Pavillon und im Landesplattenberg Engi - auf Anmeldung - vorgestellt werden (Besucherführungen).

Über den Flyschgesteinen folgen nicht - wie eigentlich erwartet - noch jüngere Gesteine, sondern die rund 200 Millionen Jahre älteren Verrucanogesteine. Letztere wurden während der Alpenfaltung aus dem Bündner Rheintal rund 40 Kilometer nach Norden auf die jüngeren Flyschgesteine geschoben. Die Überschiebungsfläche wird Glarner Hauptüberschiebung genannt. Die Glarner Hauptüberschiebung taucht zwischen dem Kärpfgebiet und dem Mühlebachtal nach Norden ein: liegt sie im nördlichen Kärpfgebiet noch auf 1200 m ü. M., liegt sie unter der Gamshütte noch auf 800 m ü. M. Dies bedeutet, dass der Verrucano hier eine Mächtigkeit von über 1000 Metern hat.

Von der Widersteinerfurggel oder von der Gamshütte aus kann das Dorf Engi erreicht werden, indem man den Wanderwegen talauswärts folgt.


Route B2: Gamshütte – Spitzmeilenhütte SAC (Wanderzeit ca. Std.)

Ort

Zeit-bedarf

Attraktion / Ziel

Varianten

(Zu- oder Weggang zur Hauptroute)

Bemerkungen


Gams (5)

  Std.

Wissmilen

 

 

 

Wissmilen

20 Min.

Westl. Spitzmeilen Punkt 2337

  - Schönbüelquarzite

  - Melsersandstein

  - Rötidolomit

 

 

Westl.

Spitzmeilen

Punkt 2337

25 Min.

Wissmilen

  - Rauhwacken

  - Gips

 

Gleicher Weg retour (oder als Variante Abkürzung)

Wissmilen

45 Min.

Madseeli

  - Lias am Magerrain

  - Glazialebene Fursch

 

 

Madseeli

15 Min

Spitzmeilenhütte å ä H (6)

Fursch å ä  – Panüöl å ä  – Tannenheim å ä H

Fursch å ä  – Bergbahn Maschgenkamm Fursch å ä

Fursch å ä  – Schilstal - Flums å ä H 

Familiengeoweg

Flumserberge,

VersuchsStollen Hagerbach Flums,

GeoSchiff auf dem Walensee

Die Wanderung führt über Mühlebach-Oberstafel auf den Gipfel des Wissmilen. Vom Wissmilen aus kann der Blick bei guten Sichtverhältnissen bis ins Berner Oberland schweifen, wo weitgereiste Bergkenner Eiger und Mönch identifizieren können. Für das Studium des Übergangs von den Verrucanoeinheiten zu den Triasgesteinen lohnt es sich zum Punkt 2337 (ca. 400 m südlich des Wissmilen) abzusteigen.

Die östlich des Punkt 2337 steil abfallende Felsrippe besteht aus Melsersandstein, der ältesten Triaseinheit. Dieser liegt hier aber nicht flach, sondern wurde bei der Alpenfaltung fast senkrecht aufgestellt. Weiter im Osten folgen die ebenfalls aufgestellten jüngsten Verrucanogesteine, welche mit zunehmender Distanz nach Osten älter werden. Wie an vielen anderen Orten besteht der Verrucano hier im oberen Teil nicht aus grobkörnigen Sernifiten, sondern aus feinen violettroten bis blutroten Ton- und Siltschiefern.

Die Schieferung entstand durch die Druckeinwirkung auf die Gesteinsschichten während deren Verfaltung – ähnlich entstehen Zerrisse in einem Stück Plastilin, wenn wir es zu stark biegen. Im Faltenscharnier steht die Schieferung fast senkrecht zur Schichtung, im entfernteren Faltenschenkel ist sie fast parallel zur Schichtung. Die Schieferung gibt uns folglich Hinweise über den Faltenbau, jedoch keine über die Schichtung.

Da im Dach des Verrucano mehrere hundert Meter mächtige Schieferlagen vorkommen, fehlen dort wichtige Hinweise zur Lagerung der Gesteinsschichten. Eine wichtige Rolle zur Erkennung der Schichtung spielen in den obersten Verrucanoschiefern die sogenannten Schönbühlquarzite, welche zwischen dem Murgtal und dem Weisstannental auf einer Fläche von über 150 Quadratkilometern aufgeschlossen sind. Am schönsten und am mächtigsten ausgeprägt sind die Schönbühlquarzite östlich des Punkt 2337, wo sie ebenfalls steil gestellt sind und ähnliche Rippen wie der Melsersandstein bilden. Die grosse Ausdehnung überrascht vor allem, weil die 2-3 harten Quarzitbänder (Sandsteine, stellenweise auch vulkanische Tuffe und Tuffite) selten eine Mächtigkeit von mehr als einem Meter haben. Folglich muss das Relief zur Zeit der Ablagerung vor rund 250 Millionen Jahren sehr flach gewesen sein. 

Der Melsersandstein beginnt beim Punkt 2337 an der Basis (am östlichen Rand) nicht als Sandstein, sondern mit einem Konglomerat. Als Entstehungsraum dieses Konglomerates, welches aus über zehn Zentimeter grossen, harten, kantengerundeten und stellenweise angewitterten Komponenten besteht, kommt weniger ein Fluss wie der Rhein, sondern eher eine Meeresküste mit Brandung in Frage. Grösstenteils besteht der Melsersandstein jedoch aus einem 10 bis 20 Meter mächtigen, grünlich-weissen Sandstein mit 1 bis 2 Millimeter grossen Quarz- und Feldspatkörnern.

Über dem Melsersandstein folgt im Westen gegen den Wissmilen der Rötidolomit, ein beige-ocker anwitterndes, bergfrisch angeschlagen hellgraues, gut gebanktes massiges Gestein. Auffälliger sind die ebenfalls gelblich anwitternden, löcherigen Rauhwacken. Meist sind die schnell verwitternden Rauhwacken grasbewachsen. Wo dies nicht der Fall ist, wie beispielsweise am Westabhang des Gipsgrates können knorrige Formen beobachtet werden.

Ausgerechnet am Gipsgrat ist kaum Gips aufgeschlossen. Schneeweisser Gips steht jedoch auf der Flumser Seite des Wissmilen und am Weglein vom Wissmilengipfel zum Furggel, wo der Wanderweg Richtung Spitzmeilenhütte abzweigt, an. Gips ist ein Verdunstungsgestein, welches bei der Verdunstung riesiger Wassermengen entsteht. Ungefähr zur gleichen Zeit wie die Gipsvorkommen am Wissmilen entstanden vor über 200 Millionen Jahren die wichtigsten Salz- und Gipslagerstätten Mitteleuropas (wie Schweizerhalle bei Basel). Gips ist ein sehr weiches, mit dem Fingernagel ritzbares Gestein, welches relativ schnell durch Wasser aufgelöst und ausgewaschen wird. Dadurch entstehen Hohlräume, welche einstürzen können, sogenannte Dolinen.

Kurz vor dem Sattel können die obersten (jüngsten) Gesteine der Trias beobachtet werden, die Quartenschiefer (ähnlich wie die blutroten Verrucanoschiefer) und die Quartenquarzite (mehrere, meist weniger als 1 Meter mächtige Melsersandstein-ähnlich Bänke). Hier ist die Quarten-Serie jedoch stark ausgequetscht. Über der Quarten-Serie folgen die mächtigen bräunlichgrauen Gesteine aus der Liaszeit, welche auch den Magerrain aufbauen.

Von der Furggel aus hat man auch einen schönen Überblick über die von den Gletschern geprägte Ebene Fursch. Am Westrand der Ebene kann ein grösserer Moränenwall beobachtet werden, während die zerfurchte zentrale Fläche aus sogenannten Sanderablagerungen besteht. Sander sind Kies- und Schotterfluren im Vorfeld des Gletschers. Die Furchen stellen alte Bachläufe des Gletscherbaches dar.

Beim Abstieg von der Furggel Richtung Spitzmeilenhütte können am Nordabhang des Wissmilen einige Dolinen entdeckt werden. Die roten Schiefer boten dem Eis, welches vom Wissmilen und Spitzmeilen Richtung Spitzmeilenhütte floss, keinen grossen Widerstand, so dass die abgerundeten Landschaftsformen entstanden.

Von der Spitzmeilenhütte kann Flums über die Alp Fursch, die Maschgenkamm- oder die Prodkammbahnen und Flumserberg erreicht werden. Als Alternative bietet sich ein mehrstündiger Marsch durch das Schilstal nach Flums an.

Zwischen Flums und Sargans befindet sich der international anerkannte Versuchsstollen Hagerbach. Auf dem Walensee bietet das GeoSchiff für Gruppen und an festgelegten Tagen auch für Einzelpersonen einen attraktiven und informativen Einblick in die Erdkunde.