Route
B2: Gamshütte –
Spitzmeilenhütte SAC (Wanderzeit ca. 4½
Std.)
Die Wanderung führt über Mühlebach-Oberstafel auf
den Gipfel des Wissmilen. Vom Wissmilen aus kann der Blick bei
guten Sichtverhältnissen bis ins Berner Oberland schweifen, wo
weitgereiste Bergkenner Eiger und Mönch identifizieren können.
Für das Studium des Übergangs von den Verrucanoeinheiten zu den
Triasgesteinen lohnt es sich zum Punkt 2337 (ca. 400 m südlich des
Wissmilen) abzusteigen. Die östlich des Punkt 2337 steil abfallende
Felsrippe besteht aus Melsersandstein, der ältesten Triaseinheit.
Dieser liegt hier aber nicht flach, sondern wurde bei der Alpenfaltung
fast senkrecht aufgestellt. Weiter im Osten folgen die ebenfalls
aufgestellten jüngsten Verrucanogesteine, welche mit zunehmender Distanz
nach Osten älter werden. Wie an vielen anderen Orten besteht der
Verrucano hier im oberen Teil nicht aus grobkörnigen Sernifiten, sondern
aus feinen violettroten bis blutroten Ton- und Siltschiefern. Die Schieferung entstand durch die
Druckeinwirkung auf die Gesteinsschichten während deren Verfaltung – ähnlich
entstehen Zerrisse in einem Stück Plastilin, wenn wir es zu stark biegen.
Im Faltenscharnier steht die Schieferung fast senkrecht zur Schichtung, im
entfernteren Faltenschenkel ist sie fast parallel zur Schichtung. Die
Schieferung gibt uns folglich Hinweise über den Faltenbau, jedoch keine
über die Schichtung. Da im Dach des Verrucano mehrere hundert Meter mächtige
Schieferlagen vorkommen, fehlen dort wichtige Hinweise zur Lagerung der
Gesteinsschichten. Eine wichtige Rolle zur Erkennung der Schichtung
spielen in den obersten Verrucanoschiefern die sogenannten Schönbühlquarzite,
welche zwischen dem Murgtal und dem Weisstannental auf einer Fläche von
über 150 Quadratkilometern aufgeschlossen sind. Am schönsten und am mächtigsten
ausgeprägt sind die Schönbühlquarzite östlich des Punkt 2337, wo sie
ebenfalls steil gestellt sind und ähnliche Rippen wie der Melsersandstein
bilden. Die grosse Ausdehnung überrascht vor allem, weil die 2-3 harten
Quarzitbänder (Sandsteine, stellenweise auch vulkanische Tuffe und
Tuffite) selten eine Mächtigkeit von mehr als einem Meter haben. Folglich
muss das Relief zur Zeit der Ablagerung vor rund 250 Millionen Jahren sehr
flach gewesen sein. Der Melsersandstein beginnt beim Punkt 2337 an
der Basis (am östlichen Rand) nicht als Sandstein, sondern mit einem
Konglomerat. Als Entstehungsraum dieses Konglomerates, welches aus über
zehn Zentimeter grossen, harten, kantengerundeten und stellenweise
angewitterten Komponenten besteht, kommt weniger ein Fluss wie der Rhein,
sondern eher eine Meeresküste mit Brandung in Frage. Grösstenteils
besteht der Melsersandstein jedoch aus einem 10 bis 20 Meter mächtigen,
grünlich-weissen Sandstein mit 1 bis 2 Millimeter grossen Quarz- und
Feldspatkörnern. Über dem Melsersandstein folgt im Westen gegen den
Wissmilen der Rötidolomit, ein beige-ocker anwitterndes,
bergfrisch angeschlagen hellgraues, gut gebanktes massiges Gestein. Auffälliger
sind die ebenfalls gelblich anwitternden, löcherigen Rauhwacken.
Meist sind die schnell verwitternden Rauhwacken grasbewachsen. Wo dies
nicht der Fall ist, wie beispielsweise am Westabhang des Gipsgrates können
knorrige Formen beobachtet werden. Ausgerechnet am Gipsgrat ist kaum Gips
aufgeschlossen. Schneeweisser Gips steht jedoch auf der Flumser Seite des
Wissmilen und am Weglein vom Wissmilengipfel zum Furggel, wo der Wanderweg
Richtung Spitzmeilenhütte abzweigt, an. Gips ist ein Verdunstungsgestein,
welches bei der Verdunstung riesiger Wassermengen entsteht. Ungefähr zur
gleichen Zeit wie die Gipsvorkommen am Wissmilen entstanden vor über 200
Millionen Jahren die wichtigsten Salz- und Gipslagerstätten Mitteleuropas
(wie Schweizerhalle bei Basel). Gips ist ein sehr weiches, mit dem
Fingernagel ritzbares Gestein, welches relativ schnell durch Wasser aufgelöst
und ausgewaschen wird. Dadurch entstehen Hohlräume, welche einstürzen können,
sogenannte Dolinen. Kurz vor dem Sattel können die obersten (jüngsten)
Gesteine der Trias beobachtet werden, die Quartenschiefer (ähnlich
wie die blutroten Verrucanoschiefer) und die Quartenquarzite
(mehrere, meist weniger als 1 Meter mächtige Melsersandstein-ähnlich Bänke).
Hier ist die Quarten-Serie jedoch stark ausgequetscht. Über der
Quarten-Serie folgen die mächtigen bräunlichgrauen Gesteine aus der
Liaszeit, welche auch den Magerrain aufbauen. Von der Furggel aus hat man auch einen schönen Überblick
über die von den Gletschern geprägte Ebene Fursch. Am Westrand
der Ebene kann ein grösserer Moränenwall beobachtet werden, während
die zerfurchte zentrale Fläche aus sogenannten Sanderablagerungen
besteht. Sander sind Kies- und Schotterfluren im Vorfeld des
Gletschers. Die Furchen stellen alte Bachläufe des Gletscherbaches dar. Beim Abstieg von der Furggel Richtung
Spitzmeilenhütte können am Nordabhang des Wissmilen einige Dolinen
entdeckt werden. Die roten Schiefer boten dem Eis, welches vom Wissmilen
und Spitzmeilen Richtung Spitzmeilenhütte floss, keinen grossen
Widerstand, so dass die abgerundeten Landschaftsformen entstanden. Von
der Spitzmeilenhütte kann Flums über die Alp Fursch, die
Maschgenkamm- oder die Prodkammbahnen und Flumserberg erreicht werden. Als
Alternative bietet sich ein mehrstündiger Marsch durch das Schilstal nach
Flums an. Zwischen Flums und Sargans befindet sich der international anerkannte Versuchsstollen Hagerbach. Auf dem Walensee bietet das GeoSchiff für Gruppen und an festgelegten Tagen auch für Einzelpersonen einen attraktiven und informativen Einblick in die Erdkunde. |