Route
D:
Weisstannen – Sardonahütte SAC (Wanderzeit ca. 7
Std.)
Von Weisstannen führt der Weg im Flysch über die
Unterlavtina nach Batöni. Die tonig-mergelig ausgebildeten Flyschserien
bieten Verwitterung und Abtrag nur wenig Widerstand. Dies bedeutet, dass
auch der Unterhalt des Weges viel Aufwand erfordert. Kurz vor dem Punkt
1427 befindet sich eine Wasserfassung für den Stausee
Gigerwald. Der Lavtinabach wird, zusammen mit dem Wasser von drei weiteren
Seitenbächen der Seez, in das rund 5 Kilometer weiter südöstlich
gelegene Staubecken Gigerwald geleitet. Danach gelangt dieses über den
Rhein in den Bodensee und vereinigt sich erst bei der Limmateinmündung in
den Rhein und mit dem übrigen Wasser aus dem Weisstannental, welches bei
Walenstadt in den Walensee fliesst. Mit dem Eintritt ins Lavtinatal wird auch das 1901 begründete
eidgenössische Jagdbanngebiet Graue Hörner betreten. 1911 wurden
nach dem Ausrotten der Steinböcke im Jahr 1809 in den westlichen Abhängen
des Lavtinatales erstmals wieder frei lebende Steinböcke in der Schweiz
ausgesetzt und die erste schweizerische Steinbockkolonie
gegründet. Vor dem Eintritt in den Talkessel von Batöni
kann in den, in den Fels gehauenen Aufschlüssen am linken Wegrand ein
Wechsel von massigeren Kalkbänken und verschieferten, mergeligen
Gesteinsschichten erkannt werden. Die Gesteinslagen sind leicht verfaltet.
Gut erkennbar ist, dass die Schieferung, welche vor allem in den
weicheren, tonigeren Gesteinen (entstand während der Alpenfaltung) nicht
parallel zur Schichtung (entstand bei der Ablagerung der
Gesteinsschichten) steht. Im Talkessel von Batöni vereinigt sich das
Wasser von vier Seitenbächen, welches an vier Wasserfällen über
die Steilstufen stürzt. Die „Wasserfallarena“ von Batöni ist eines
der eindrücklichsten Geotope im Weisstannental. Beim Betrachten der
Bachgerölle fällt auf, dass einzig der aus der Oberlavtina stammende
Lavtinabach Verrucanogerölle mitführt. Ein Indiz, dass die
Glarner Hauptüberschiebung nur in dessen Einzugsgebiet, aber nicht im
Einzugsgebiet der südlichen Seitenbäche Piltischinabach, Sässbach und
Muttenbach aufgeschlossen ist. Beim Blick vom Punkt 1813 (Säss) auf der Alp
Valtüsch auf den Stafinellagrat fallen in der Gipfelpartie die
Felszacken über den grasbewachsenen Flyschplanggen auf. Die Gipfelpartie
besteht aus dem viel älteren Verrucano, so dass wir erneut die Glarner
Hauptüberschiebung erkennen können. Wenn die Seez und der frühere
Seezgletscher nicht das Weisstannental geschaffen hätten, könnte die Fläche
der Hauptüberschiebung vom Jägerikopf nach Westen mit den Aufschlüssen
von Galans verbunden werden. Dabei fällt auf, dass die Hauptüberschiebungsfläche
vom Jägerikopf (ca. 2250 m ü. M.) auch nach Westen (Obersiez ca. 1750 m
ü. M.) abtaucht. Auch am Pässchen bei Punkt 2357 am Stafinellagrat fehlt
der Verrucano. Somit ist der Verrucano am westlichen Teil des
Stafinellagrates isoliert. Geologisch werden solche isolierte Deckenreste Klippen
genannt. Auf der Alp Valtüsch werden einfache Übernachtungsmöglichkeiten
mit einer gastfreundlichen Bewirtung durch die Alphirten angeboten. Diese
sind während den Tagen mit dem Hüten des Viehs beschäftigt und kehren
oft erst gegen Abend zur Hütte zurück. Vom Valtüscher Säss führt der Weg Richtung
Heidelpass zunächst über die Schwemm- und Lawinenkegel, später
über die Gehängeschutthalden. Im Bereich Seezberge beinhaltet der
Flysch viele harte, oft rostig anwitternde Quarzitbänke. Stellenweise können
einzelne Komponenten oder Trümmerlagen von granitischen Gesteinen
beobachtet werden. Diese Flyschpartien werden „Sardona-Flysch“,
die tonig-mergeligen Partien mit Nummulitenkalk, welche beispielsweise die
Flanken des Lavtinatals aufbauen, „Blattengrat-Flysch“ genannt. Die Flyschentstehung ist komplex und steht im
Zeichen der sich auftürmenden Alpen. Durch den Schub von Süden werden
immer weiter nördlich liegende Teile von der Alpenfaltung erfasst. Noch
existiert ein Restmeer. In dessen Küstenbereich wird der Blattengrat-Flysch
abgelagert (im Riffbereich der Nummulitenkalk, weiter gegen das nach Süden
tiefer werdende Meer die tonig-mergeligen Serien). In den noch südlicheren
(tieferen) Bereichen entstehen die Serien des Sardona-Flysch,
welche schon bald von den herannahenden Decken überfahren und ihrerseits
auf den Blattengrat-Flysch geschoben werden. Der Sardona-Flysch, welcher
teilweise gleichzeitig mit dem Blattengrat-Flysch entstand, wurde von Süden
her mitgerissen und auf den Blattengrat-Flysch geschoben. Daher liegt der
Sardonaflysch heute oft über dem Blattengrat-Flysch. Die Flyschgesteine
wurden stark verfaltet, zerrissen und überschoben, so dass die einzelnen
Schichten nur selten über grössere Distanzen verfolgt werden können und
die Suche nach einer einfachen Systematik meist erfolglos bleibt. Wenige Meter westlich des Heidelpasses können im
Flysch einige im Gestein eingebettete Granitstücke beobachtet
werden und dies, obwohl heute in einem grossen Umkreis keine Granitaufschlüsse
vorhanden sind. Am Weg Richtung Plattensee liegen viele Trümmer
aus den sehr harten, rostig anwitternden, weisslich-grauen Sardonaquarziten,
welche oft Klüfte mit schönen Quarzkriställchen von mehreren
Millimetern bis wenigen Zentimetern Länge enthalten. Der Weg vom Heidelpass (2388 m ü. M.) führt über den
Heubützlipass zur Sardonahütte SAC (2158 m ü. M.). Auf diesem
Weg kann die scharfe Linie der Glarner Hauptüberschiebung zwischen
dem Ringelspitz (unter dem Gletscher) und dem Tristelhorn,
am Piz Dolf (oder Trinserhorn) sowie zwischen dem Piz Segnes
und dem Piz Sardona beobachtet werden. Im Gebiet der Ringelkette
erreicht die Fläche der Glarner Hauptüberschiebung auf über 3100 m ü.
M. ihren höchsten Punkt: Richtung Norden (Pizolgebiet) und Richtung Süden
(Vorderrhein) fällt sie mit zunehmender Entfernung von der Kulmination
steiler ein (bis gegen 30°). Vom Heidelpass führt (als Variante zum
GeoPark-Höhenweg)
ein markierter Wanderweg zur Walsersiedlung St. Martin am Stausee
Gigerwald, wo Unterkunft/Verpflegung angeboten wird und welche mit dem
Personenwagen erreichbar ist. Im Sommer fährt das Postauto von Bad Ragaz
über Vättis bis auf die Staumauer des Stausees Gigerwald. St. Martin ist
auch von der Sardonahütte SAC über die Alp Sardona (Verpflegungsmöglichkeit)
zu Fuss erreichbar. Attraktive Besucherorte sind das Drachenlochmuseum in Vättis und die Taminaschlucht im Alten Bad Pfäfers (erreichbar von Bad Ragaz). |