Route E1: Sardonahütte SAC – Alp Foo (Wanderzeit ca. 2¾ Std.)
In der flach einfallenden Morgensonne können von der Sardonahütte
SAC auf den Schwemmebenen der Alpen Sardona und Ebni
unzählige alte, trockene Wildbachläufe erkannt werden. Die Schwemmebenen
ihrerseits werden im Stirnbereich jedoch durch die Tamina bereits wieder
abgetragen. Auf der Alp Sardona
(Lokalität Rathausboden) wie auch an vielen weiteren Stellen im
Calfeisen- und im Weisstannental hausten im Mittelalter die freien
Walser. Die letzte Familie verliess das Tal erst in der Mitte des 17.
Jahrhunderts! Beim Überqueren der Bäche am Ostabhang des Piz
Sardona fallen grobe, lauchgrüne Verrucanotrümmer (Sernifite)
mit bis mehreren Zentimeter grossen, hellen, eckigen bis kantengerundeten
Quarz- und Feldspatkomponenten sowie einige gelblich anwitternde,
hellgraue Kalkbrocken auf. In Sardonagebiet sind die unteren Lagen des
Verrucano lauch- bis dunkelgrün und grobkörnig ausgebildet. Bei den
gelblichen Kalkbrocken handelt es sich um Lochseitenkalk, also um
die Gesteine, welche während der Hauptüberschiebung als Gleithorizont
dienten und ausgewalzt wurden. Bevor nach der Hinter Chrazeri der kleine
Aufstieg zum Heubützlipass in Angriff genommen wird, lassen wir
den Blick nochmals zum Sardonagletscher und zum Chli Gletscher
schweifen. Junge Moränenwälle zeigen an, dass die Gletscher noch vor 150
Jahren bedeutend mächtiger und länger waren. Wenn die Klimaerwärmung
weiterhin andauert, sind wohl die Jahre auch dieser Gletscher gezählt. Beim Blick Richtung Ringelspitz können unter
der Hauptüberschiebung auch massige Kalkwände erkannt werden. Im Bereich
des Stausees Gigerwald wölben sich alle Gesteinsschichten. Die
Tamina hat sich im Bereich dieser Wölbung fast 2000 Meter tief
eingeschnitten und so ständig ältere Gesteine freigelegt. Zwischen
Gigerwald und Vättis hat sich die Tamina gar in die Urgesteine des
Aarmassivs abgetieft, welche weiter im Osten nicht mehr aufgeschlossen
sind und auch im Westen erst am Limmernstausee wieder entdeckt werden können.
Rund um Vättis werden die Urgesteine also von jüngeren Gesteinen überlagert
– man kann also aus der Vogelschau die Urgesteine zwischen den jüngeren
Schichten erkennen. Daher sprechen die Geologinnen und Geologen vom Vättner
Fenster. Vom Heubützlipass können am Nordabhang die
malerischen Talkessel von Ober und Unter Heubützli erkannt werden. Die
Gletscher haben die weicheren, schieferigen Partien tiefer ausgehobelt als
die harten Nummulitenkalke, welche die Felsriegel bilden. So entstanden
kleine Seen, welche verlandeten. Dies führte - beispielsweise auf Ober
Heubützli - zu schönen Moorlandschaften. Nach der Muetertalerfurggel fällt der Blick
Richtung Foopass. Auch hier ist die Fläche der Glarner Hauptüberschiebung
zwischen der Gross Schibe und dem Foostock unterbrochen.
Dieses Faktum benutzten einige Geologen in der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts – zu einer Zeit, wo so grosse Überschiebungen wie die
Glarner Hauptüberschiebung noch unvorstellbar waren – dazu, zwei
kleinere Falten (je eine von Süden und von Norden) am Foopass stirnen zu
lassen. Die beiden Faltenstirnen dieser sogenannten Glarner Doppelfalte
wurde also genau an jene Lokalität (Foopass) gelegt, wo die Beobachtung
wegen der fehlenden Aufschlüsse nicht möglich ist. Von der Alp Foo kann über die Alpen Walabütz, Vorsiez
und Chloster das Dorf Weisstannen (Postautohaltestelle) erreicht werden. Route
E2:
Alp Foo – Elm (Wanderzeit ca. 3¼ Std.)
Auf dem Weg zum Foopass ist in der Südwand
des Foostocks zwischen den dunklen braungrauen Flyschgesteinen und den
darüber liegenden dunkelgrünlich-grauen Verrucanogesteinen unter der
Glarner Hauptüberschiebung die mächtige Linse von hellem Lochseitenkalk
gut erkennbar. Eine Datierung der ältesten leicht uranhaltigen
Verrucanogesteine (wenig über der Hauptüberschiebung) ergab ein Alter
der Gesteine von fast 300 Millionen Jahren. Vom Foopass kann die Glarner Hauptüberschiebung
zwischen den Verrucanoklippen Ruchi, Hausstock und Mättlenstöck
und dem Kärpfgebiet verfolgt werden. Da die Hauptüberschiebung
nicht nur nach Norden, sondern auch nach Westen einfällt, erscheint sie
wegen des unregelmässigen, dreidimensionalen Refliefs nicht immer als schön
gebogene, zusammenhängende Linie. Trotzdem kann nach deren Kulmination im
Bereich des Ruchi (ca. 3050 m ü. M.) das immer steiler werdende
Einfallen Richtung an Hausstock (ca. 2950 m ü. M.) und Mättlenstöck
(ca. 2800 m ü. M.) sowie in der Ostflanke des Kärpfgebietes (Gross Kärpf
2200 m ü. M., Blistöck 2100 m ü. M., Karrenstock 1800 m
ü. M., Sernf [zwischen Lochsite und Engi] ca. 600 m ü. M.) gut
beobachtet werden. Die Hauptüberschiebung fällt ebenfalls nach Westen: Sazmartinshorn
ca. 2950 m ü. M., Foopass ca. 2500 m ü. M., Karrenstock
1800 m ü. M., östlich Diesbach ca. 1300 m ü. M. Vom Foopass führt der Weg über die Alp Ramin. Im
Bereich Ramin-Eggboden-Tüniberg kann der Verlauf der Glarner
Hauptüberschiebung zwischen Piz Sardona, Piz Segnes und
den Tschingelhörnern beobachtet werden. Gegenüber dem Tüniberg liegt der Elmer
Plattenberg, wo am 11. September 1881 ein durch die Bergbautätigkeit
verursachter Bergsturz über hundert Menschen unter sich begrub und
Elm in eine schwere Notlage brachte. Rund 10
bis 11 Millionen Kubikmeter Fels stürzten zu Tal, prallten
an den Gegenhang und strömten wie auf einem Luftkissen über den unteren
Dorfteil von Elm hinweg. Weitere Informationen zur Schiefergewinnung und zum
Elmer Bergsturz (Fotos und Modelle) können in der Schiefertafelfabrik
(Besucherführungen) besichtigt werden. Die Schiefertafelfabrik ist ein
einzigartig, erhalten gebliebenes Industriedenkmal: In über 30
Arbeitsprozessen wird an den originalen Werkzeugen die Herstellung von
Schiefertafeln (Schultafeln, Jasstafeln) vorgestellt. Wenn schliesslich am Abend beim gemütlichen Nachtessen
der Blick zurück auf die Tschingelhörner schweift, ist im hellen
Lochseitenkalk (es ist die gleiche Linse wie am Foostock) ein Loch, das
sogenannte Martinsloch erkennbar. Es gehört zu den unvergesslichen
Naturerlebnissen, wenn zwei Mal im Jahr die Sonnenstrahlen durch das 20
Meter grosse Martinsloch die Kirche von Elm treffen. Wer die Tour noch nicht abbrechen möchte, kann die Glarner Hauptüberschiebung über den Segnespass bis nach Flims weiterverfolgen (Siehe Route F). |