Route
E2: Alp Foo – Elm (Wanderzeit ca. 3¼ Std.)
Auf dem Weg zum Foopass ist in der Südwand
des Foostocks zwischen den dunklen braungrauen Flyschgesteinen und den
darüber liegenden dunkelgrünlich-grauen Verrucanogesteinen unter der
Glarner Hauptüberschiebung die mächtige Linse von hellem Lochseitenkalk
gut erkennbar. Eine Datierung der ältesten leicht uranhaltigen
Verrucanogesteine (wenig über der Hauptüberschiebung) ergab ein Alter
der Gesteine von fast 300 Millionen Jahren. Vom Foopass kann die Glarner Hauptüberschiebung
zwischen den Verrucanoklippen Ruchi, Hausstock und Mättlenstöck
und dem Kärpfgebiet verfolgt werden. Da die Hauptüberschiebung
nicht nur nach Norden, sondern auch nach Westen einfällt, erscheint sie
wegen des unregelmässigen, dreidimensionalen Refliefs nicht immer als schön
gebogene, zusammenhängende Linie. Trotzdem kann nach deren Kulmination im
Bereich des Ruchi (ca. 3050 m ü. M.) das immer steiler werdende
Einfallen Richtung an Hausstock (ca. 2950 m ü. M.) und Mättlenstöck
(ca. 2800 m ü. M.) sowie in der Ostflanke des Kärpfgebietes (Gross Kärpf
2200 m ü. M., Blistöck 2100 m ü. M., Karrenstock 1800 m
ü. M., Sernf [zwischen Lochsite und Engi] ca. 600 m ü. M.) gut
beobachtet werden. Die Hauptüberschiebung fällt ebenfalls nach Westen: Sazmartinshorn
ca. 2950 m ü. M., Foopass ca. 2500 m ü. M., Karrenstock
1800 m ü. M., östlich Diesbach ca. 1300 m ü. M. Vom Foopass führt der Weg über die Alp Ramin. Im
Bereich Ramin-Eggboden-Tüniberg kann der Verlauf der Glarner
Hauptüberschiebung zwischen Piz Sardona, Piz Segnes und
den Tschingelhörnern beobachtet werden. Gegenüber dem Tüniberg liegt der Elmer
Plattenberg, wo am 11. September 1881 ein durch die Bergbautätigkeit
verursachter Bergsturz über hundert Menschen unter sich begrub und
Elm in eine schwere Notlage brachte. Rund 10
bis 11 Millionen Kubikmeter Fels stürzten zu Tal, prallten
an den Gegenhang und strömten wie auf einem Luftkissen über den unteren
Dorfteil von Elm hinweg. Weitere Informationen zur Schiefergewinnung und zum
Elmer Bergsturz (Fotos und Modelle) können in der Schiefertafelfabrik
(Besucherführungen) besichtigt werden. Die Schiefertafelfabrik ist ein
einzigartig, erhalten gebliebenes Industriedenkmal: In über 30
Arbeitsprozessen wird an den originalen Werkzeugen die Herstellung von
Schiefertafeln (Schultafeln, Jasstafeln) vorgestellt. Wenn schliesslich am Abend beim gemütlichen Nachtessen
der Blick zurück auf die Tschingelhörner schweift, ist im hellen
Lochseitenkalk (es ist die gleiche Linse wie am Foostock) ein Loch, das
sogenannte Martinsloch erkennbar. Es gehört zu den unvergesslichen
Naturerlebnissen, wenn zwei Mal im Jahr die Sonnenstrahlen durch das 20
Meter grosse Martinsloch die Kirche von Elm treffen. Wer die Tour noch nicht abbrechen möchte, kann die
Glarner Hauptüberschiebung über den Segnespass bis nach Flims
weiterverfolgen (Siehe Route F). Route
F: Elm – Flims
(Wanderzeit ca. 9 Std.)
Die ersten knapp 500 der insgesamt 1600 Höhenmeter auf
den Segnespass müssen nicht unbedingt zu Fuss zurückgelegt werden. Als
Ersatz wird die abenteuerliche kleine Seilbahn von Elm (Wisli) auf die Alp
Nideren empfohlen. Die gesamte Wegstrecke von Elm über die Alp Nideren
auf den Segnespass liegt wiederum im Flysch. Auf Nideren befindet sich eine Ansammlung von ehemaligen Heuställen.
Im Sommer besteht auf Nideren eine Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeit. Nach dem steilen Aufstieg auf die Brünschegg
lohnt es sich, sich bei P. 2239 etwas auszuruhen, denn bereits sind die
Tschingelhörner deutlich näher gerückt. Bei schönem Wetter sind die
dunkleren, leicht grünlichgrauen Gipfelzacken der Tschingelhörner
über der messerscharfen Linie der Glarner Hauptüberschiebung sehr
gut erkennbar. Darunter folgt die massige Wand aus dem hellgrauen
Lochseitenkalk. Dieser wiederum liegt entlang einer zwar scharfen, jedoch
unregelmässigen Grenze auf den dunkleren, leicht bräunlichen
Flyschschiefern. Bereits Hans Conrad Escher bemerkte vor über 200 Jahren,
dass mit der Abfolge von „Grauwackeformation“ (Verrucano) und
„Alpenkalk“ nicht stimmt und lud Leopold von Buch, einen der damals führenden
Geologen zu einer Begehung in dieses Gebiet ein. Doch da so grosse Überschiebungen
zu jener Zeit unvorstellbar waren hielt jener 1809 fest: „Grauwacke gehört
zur Übergangsformation und kann nie auf Alpenkalk ruhen“. Im Lochseitenkalk sind Flyschschlieren
erkennbar, was darauf hinweist, dass während der Hauptüberschiebung auch
im unterliegenden Teile mitgerissen und übereinander geschoben wurden.
Leider ist das Martinsloch vom Weg aus meist hinter einem Felsvorsprung
versteckt und nicht sichtbar. Am Segnespass
ist eine Hütte erkennbar, welche ein Relikt aus der militärischen
Vergangenheit darstellt und kurz vor oder während dem Zweiten Weltkrieg
erstellt wurde. Hinter dem mächtigen Steinmann auf dem Segnespass ist
die Glarner Hauptüberschiebung am Piz Atlas wiederum sehr gut
erkennbar. Deutlich ist hier zu erkennen, dass diese nun nach links,
Richtung Süden einfällt – wir befinden uns hier nun südlich des
Kulminationspunktes der Glarner Hauptüberschiebung. Über der Glarner
Hauptüberschiebung besteht der Piz Atlas aus Verrucano, und zwar
aus den dunkelgrünen, grobkörnigen Partien, welche die Wände im unteren
Teil bilden und den grau-grünlichen Schiefern der Gipfelpartien. Auf dem Marsch vom Segnespass zur Segnesebene kann das Martinsloch
entdeckt werden, wie es Hans Conrad Escher 1812 auf seinem bekannten
Aquarell festgehalten hat. Das Martinsloch hat einen Durchmesser von
maximal 21 Metern und ist möglicherweise durch Kalkauswaschung (Karst)
entstanden. Die untere Segnesebene (Plaun Segnes Sut)
befindet sich gleich auf zwei nationalen Inventarlisten: Sie ist eine
alpine Schwemmebene von nationaler Bedeutung und eine Moorlandschaft
(Flachmoor) von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung. Sehr
schön ist das verzweigte Bachlaufsystem erkennbar, wo ständig neue
Wasserläufe gesucht und alte verstopft werden. Von der Segneshütte aus wird der Flimserstein
sichtbar. Die mächtigen Kalkwände bestehen aus Quintnerkalk, welcher zur
Jurazeit vor rund 150 Millionen Jahren im damaligen Urmittelmeer
abgelagert wurde. Darüber folgen die Gesteine aus der frühen Kreidezeit,
welche vor ca. 120 bis 140 Millionen Jahren entstanden. Auf dem nördlichen
(auf dem Cassonsgrat) und auf dem südlichen Flimserstein liegen
Lochseitenkalk und Verrucano auf den Kreidegesteinen. Hier handelt es sich
somit wiederum um die Glarner Hauptüberschiebung, jedoch wurde der
Verrucano hier nicht auf den Flysch, sondern auf die Gesteine aus der
Kreidezeit geschoben. Östlich des Flimsersteins löste sich am Ende der
letzten Eiszeit der grösste alpine Bergsturz. Die Gleitfläche
ist nordöstlich Muletg Veder erkennbar, wo sich auf den unbewachsenen
hellgrauen Kalkflächen bereits wieder kleine Karstrillen
(entstanden durch Kalkauflösung als Folge der chemischen Reaktion
zwischen dem sauren Regenwasser und dem Kalkstein) gebildet haben. Rund 9
Kubikkilometer (9 Milliarden Kubikmeter) Gestein lösten sich und stürzten
über Flims hinweg bis fast nach Bonaduz. Seither hat sich der Rhein
bereits wieder mehrere hundert Meter tief in die Bergsturzmassen
eingegraben und schuf so die malerische Ruin Alta - Schlucht. Gegen das Vorderrheintal fällt die Glarner
Hauptüberschiebung immer steiler ein und ständig liegen
Lochseitenkalk und Verrucano auf älteren Einheiten. Liegen diese auf dem
Flimserstein und auf der Alp Nagiens noch auf den Kreidegesteinen, so
liegt der Verrucano am Laaxerbach östlich von Flims bereits auf
Quintnerkalk (ca. 150 Millionen Jahre alt). Auf der Südseite des Vorderrheins bestehen die
anstehenden Gesteine bei Valendas und Versam bereits aus Bündnerschiefern.
Die bedeutet, dass diese zum höheren Gesteinsstockwerk gehören, deren
Gesteine viel weiter südlich im Tiefseebereich des Urmittelmeeres
abgelagert wurden, während die Gesteine der Nordseite des Rheins aus dem helvetischen
Ablagerungsraum, dem europäischen (nördlichen) Küstenbereich
des Urmittelmeeres stammen. Die Gesteine über der Glarner Hauptüberschiebung
wurden im Vorderrheintal als Folge der Kollision der Kontinente
Ur-Afrika und Ur-Europa während der Alpenbildung ausgequetscht und
entlang dieser Überschiebung bis 40 Kilometer weit nach Norden
verfrachtet. Zu den ausgequetschten und verfrachteten Gesteinskörpern gehören
somit fast alle Berge des Kantons Glarus und des Sarganserlandes, unter
anderem das Glärnischmassiv, die Mürtschengruppe, die Churfirsten oder
das Säntismassiv. Ob Sie nun den ganzen GeoPark-Höhenweg durchwandert
haben oder nur Teilstrecken, Sie werden nicht nur viel Geologisches und
Erdkundliches entdeckt haben, sondern auch einmalige Erlebnisse und Eindrücke
einer vielfältigen Gebirgswelt mit sich tragen und haben zudem eine
bemerkenswerte körperliche Ausdauer aufzubringen gehabt.
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