Route E2: Alp Foo – Elm (Wanderzeit ca. Std.)

Ort

Zeit-bedarf

Attraktion / Ziel

Varianten

(Zu- oder Weggang zur Hauptroute)

Bemerkungen

Alphütte Foo (10)

1 Std.

Foopass

- Hauptüberschieb. Foostock

 - Doppelfalte

 

 

Foopass

2 Std.

Tüniberg

- Bergsturz Elm

 

 

Tüniberg

15 Min.

Elmå ä H  (11)

- Martinsloch

 

Museum

Schiefer-tafelfabrik

Auf dem Weg zum Foopass ist in der Südwand des Foostocks zwischen den dunklen braungrauen Flyschgesteinen und den darüber liegenden dunkelgrünlich-grauen Verrucanogesteinen unter der Glarner Hauptüberschiebung die mächtige Linse von hellem Lochseitenkalk gut erkennbar. Eine Datierung der ältesten leicht uranhaltigen Verrucanogesteine (wenig über der Hauptüberschiebung) ergab ein Alter der Gesteine von fast 300 Millionen Jahren.

Vom Foopass kann die Glarner Hauptüberschiebung zwischen den Verrucanoklippen Ruchi, Hausstock und Mättlenstöck und dem Kärpfgebiet verfolgt werden. Da die Hauptüberschiebung nicht nur nach Norden, sondern auch nach Westen einfällt, erscheint sie wegen des unregelmässigen, dreidimensionalen Refliefs nicht immer als schön gebogene, zusammenhängende Linie. Trotzdem kann nach deren Kulmination im Bereich des Ruchi (ca. 3050 m ü. M.) das immer steiler werdende Einfallen Richtung an Hausstock (ca. 2950 m ü. M.) und Mättlenstöck (ca. 2800 m ü. M.) sowie in der Ostflanke des Kärpfgebietes (Gross Kärpf 2200 m ü. M., Blistöck 2100 m ü. M., Karrenstock 1800 m ü. M., Sernf [zwischen Lochsite und Engi] ca. 600 m ü. M.) gut beobachtet werden. Die Hauptüberschiebung fällt ebenfalls nach Westen: Sazmartinshorn ca. 2950 m ü. M., Foopass ca. 2500 m ü. M., Karrenstock 1800 m ü. M., östlich Diesbach ca. 1300 m ü. M.

Vom Foopass führt der Weg über die Alp Ramin. Im Bereich Ramin-Eggboden-Tüniberg kann der Verlauf der Glarner Hauptüberschiebung zwischen Piz Sardona, Piz Segnes und den Tschingelhörnern beobachtet werden.

Gegenüber dem Tüniberg liegt der Elmer Plattenberg, wo am 11. September 1881 ein durch die Bergbautätigkeit verursachter Bergsturz über hundert Menschen unter sich begrub und Elm in eine schwere Notlage brachte. Rund 10 bis 11 Millionen Kubikmeter Fels stürzten zu Tal, prallten an den Gegenhang und strömten wie auf einem Luftkissen über den unteren Dorfteil von Elm hinweg.

Weitere Informationen zur Schiefergewinnung und zum Elmer Bergsturz (Fotos und Modelle) können in der Schiefertafelfabrik (Besucherführungen) besichtigt werden. Die Schiefertafelfabrik ist ein einzigartig, erhalten gebliebenes Industriedenkmal: In über 30 Arbeitsprozessen wird an den originalen Werkzeugen die Herstellung von Schiefertafeln (Schultafeln, Jasstafeln) vorgestellt.

Wenn schliesslich am Abend beim gemütlichen Nachtessen der Blick zurück auf die Tschingelhörner schweift, ist im hellen Lochseitenkalk (es ist die gleiche Linse wie am Foostock) ein Loch, das sogenannte Martinsloch erkennbar. Es gehört zu den unvergesslichen Naturerlebnissen, wenn zwei Mal im Jahr die Sonnenstrahlen durch das 20 Meter grosse Martinsloch die Kirche von Elm treffen.

Wer die Tour noch nicht abbrechen möchte, kann die Glarner Hauptüberschiebung über den Segnespass bis nach Flims weiterverfolgen (Siehe Route F).


Route F: Elm – Flims (Wanderzeit ca. 9  Std.)

Ort

Zeit-bedarf

Attraktion / Ziel

Varianten

(Zu- oder Weggang zur Hauptroute)

Bemerkungen

Elm (11)

 Std.

Alp Nideren å ä H  (12)

 

Bahn Nideren

 055 642

Alp Nideren

3½ Std.

Segnespass

- Hauptüberschiebung Piz Atlas

 

 

Segnespass

1 ¼ Std.

Camona da Segnas å ä H

- Segnesebene

- Abrissgebiet Bergsturz Flims

 

 

Camona da Segnas

2 Std.

Foppa

 

 

Foppa

30 Min.

Flims å ä H  (13)

 

Bahn

 

 

Die ersten knapp 500 der insgesamt 1600 Höhenmeter auf den Segnespass müssen nicht unbedingt zu Fuss zurückgelegt werden. Als Ersatz wird die abenteuerliche kleine Seilbahn von Elm (Wisli) auf die Alp Nideren empfohlen.

Die gesamte Wegstrecke von Elm über die Alp Nideren auf den Segnespass liegt wiederum im Flysch. Auf Nideren befindet sich eine Ansammlung von ehemaligen Heuställen. Im Sommer besteht auf Nideren eine Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeit.

Nach dem steilen Aufstieg auf die Brünschegg lohnt es sich, sich bei P. 2239 etwas auszuruhen, denn bereits sind die Tschingelhörner deutlich näher gerückt. Bei schönem Wetter sind die dunkleren, leicht grünlichgrauen Gipfelzacken der Tschingelhörner über der messerscharfen Linie der Glarner Hauptüberschiebung sehr gut erkennbar. Darunter folgt die massige Wand aus dem hellgrauen Lochseitenkalk. Dieser wiederum liegt entlang einer zwar scharfen, jedoch unregelmässigen Grenze auf den dunkleren, leicht bräunlichen Flyschschiefern. Bereits Hans Conrad Escher bemerkte vor über 200 Jahren, dass mit der Abfolge von „Grauwackeformation“ (Verrucano) und „Alpenkalk“ nicht stimmt und lud Leopold von Buch, einen der damals führenden Geologen zu einer Begehung in dieses Gebiet ein. Doch da so grosse Überschiebungen zu jener Zeit unvorstellbar waren hielt jener 1809 fest: „Grauwacke gehört zur Übergangsformation und kann nie auf Alpenkalk ruhen“.

Im Lochseitenkalk sind Flyschschlieren erkennbar, was darauf hinweist, dass während der Hauptüberschiebung auch im unterliegenden Teile mitgerissen und übereinander geschoben wurden. Leider ist das Martinsloch vom Weg aus meist hinter einem Felsvorsprung versteckt und nicht sichtbar.

Am Segnespass ist eine Hütte erkennbar, welche ein Relikt aus der militärischen Vergangenheit darstellt und kurz vor oder während dem Zweiten Weltkrieg erstellt wurde.

Hinter dem mächtigen Steinmann auf dem Segnespass ist die Glarner Hauptüberschiebung am Piz Atlas wiederum sehr gut erkennbar. Deutlich ist hier zu erkennen, dass diese nun nach links, Richtung Süden einfällt – wir befinden uns hier nun südlich des Kulminationspunktes der Glarner Hauptüberschiebung. Über der Glarner Hauptüberschiebung besteht der Piz Atlas aus Verrucano, und zwar aus den dunkelgrünen, grobkörnigen Partien, welche die Wände im unteren Teil bilden und den grau-grünlichen Schiefern der Gipfelpartien.

Auf dem Marsch vom Segnespass zur Segnesebene kann das Martinsloch entdeckt werden, wie es Hans Conrad Escher 1812 auf seinem bekannten Aquarell festgehalten hat. Das Martinsloch hat einen Durchmesser von maximal 21 Metern und ist möglicherweise durch Kalkauswaschung (Karst) entstanden.

 

 

Die untere Segnesebene (Plaun Segnes Sut) befindet sich gleich auf zwei nationalen Inventarlisten: Sie ist eine alpine Schwemmebene von nationaler Bedeutung und eine Moorlandschaft (Flachmoor) von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung. Sehr schön ist das verzweigte Bachlaufsystem erkennbar, wo ständig neue Wasserläufe gesucht und alte verstopft werden.

Von der Segneshütte aus wird der Flimserstein sichtbar. Die mächtigen Kalkwände bestehen aus Quintnerkalk, welcher zur Jurazeit vor rund 150 Millionen Jahren im damaligen Urmittelmeer abgelagert wurde. Darüber folgen die Gesteine aus der frühen Kreidezeit, welche vor ca. 120 bis 140 Millionen Jahren entstanden. Auf dem nördlichen (auf dem Cassonsgrat) und auf dem südlichen Flimserstein liegen Lochseitenkalk und Verrucano auf den Kreidegesteinen. Hier handelt es sich somit wiederum um die Glarner Hauptüberschiebung, jedoch wurde der Verrucano hier nicht auf den Flysch, sondern auf die Gesteine aus der Kreidezeit geschoben.

Östlich des Flimsersteins löste sich am Ende der letzten Eiszeit der grösste alpine Bergsturz. Die Gleitfläche ist nordöstlich Muletg Veder erkennbar, wo sich auf den unbewachsenen hellgrauen Kalkflächen bereits wieder kleine Karstrillen (entstanden durch Kalkauflösung als Folge der chemischen Reaktion zwischen dem sauren Regenwasser und dem Kalkstein) gebildet haben. Rund 9 Kubikkilometer (9 Milliarden Kubikmeter) Gestein lösten sich und stürzten über Flims hinweg bis fast nach Bonaduz. Seither hat sich der Rhein bereits wieder mehrere hundert Meter tief in die Bergsturzmassen eingegraben und schuf so die malerische Ruin Alta - Schlucht.

Gegen das Vorderrheintal fällt die Glarner Hauptüberschiebung immer steiler ein und ständig liegen Lochseitenkalk und Verrucano auf älteren Einheiten. Liegen diese auf dem Flimserstein und auf der Alp Nagiens noch auf den Kreidegesteinen, so liegt der Verrucano am Laaxerbach östlich von Flims bereits auf Quintnerkalk (ca. 150 Millionen Jahre alt).

Auf der Südseite des Vorderrheins bestehen die anstehenden Gesteine bei Valendas und Versam bereits aus Bündnerschiefern. Die bedeutet, dass diese zum höheren Gesteinsstockwerk gehören, deren Gesteine viel weiter südlich im Tiefseebereich des Urmittelmeeres abgelagert wurden, während die Gesteine der Nordseite des Rheins aus dem helvetischen Ablagerungsraum, dem europäischen (nördlichen) Küstenbereich des Urmittelmeeres stammen.

Die Gesteine über der Glarner Hauptüberschiebung wurden im Vorderrheintal als Folge der Kollision der Kontinente Ur-Afrika und Ur-Europa während der Alpenbildung ausgequetscht und entlang dieser Überschiebung bis 40 Kilometer weit nach Norden verfrachtet. Zu den ausgequetschten und verfrachteten Gesteinskörpern gehören somit fast alle Berge des Kantons Glarus und des Sarganserlandes, unter anderem das Glärnischmassiv, die Mürtschengruppe, die Churfirsten oder das Säntismassiv.

Ob Sie nun den ganzen GeoPark-Höhenweg durchwandert haben oder nur Teilstrecken, Sie werden nicht nur viel Geologisches und Erdkundliches entdeckt haben, sondern auch einmalige Erlebnisse und Eindrücke einer vielfältigen Gebirgswelt mit sich tragen und haben zudem eine bemerkenswerte körperliche Ausdauer aufzubringen gehabt.